Geistliches Wort

Dass sie eins sind....(Johannes 17)

Ein schöner Herbst naht - und am Anfang des Monats September steht die Nacht der Kirchen - erstmalig in Dippoldiswalde. Dass sich verschiedene Konfessionen treffen und miteinander etwas machen, ist schon für sich genommen ein großer Schatz. Denn lange genug taten sie das nicht, sondern arbeiteten für sich, getrennt, mitunter sogar gegeneinander. Das gegenseitige Misstrauen war viele Jahrhunderte lang groß, die theologischen Unterschiede bestehen bis heute. Aber in Christus sich auch EINS zu sehen und zu erleben, das gehört zur Wirklichkeit unserer Kirchen dazu.

K1600 halberstadt dom 23Denn sollte es wirklich so sein - und ich glaube das, dass wir als Kirche der Leib Christi sind - dann wäre es eine große Sünde, diesen Leib dauerhaft zu spalten, ihn durch Streit und Lieblosigkeit als zerrissen und uneins zu zeigen. Und nichts hat auch dem Reformator Martin Luther ferner gelegen als das. Er wollte die Kirche reformieren, sie auf ihr Haupt hin - Jesus Christus - wieder ausrichten, denn die Kirche als Leib Christi muss ihrem Haupt entsprechen, zumal allein in Christus das Heil der Menschen begründet liegt. Spalten wollte er die Kirche nicht. Dass es dann doch so kam, mag am geistlichen Klima jener Zeit gelegen haben, dass es so blieb war Ergebnis des Beharrungsvermögens der beteiligten einzelnen Kirchen, die ihren jeweiligen Erkenntnisstand mit guten Gründen behielten. Bei der Entscheidung zwischen Wahrheit zum Evangelium und Liebe zur Kirche entschied sich Luther am Ende für die Wahrheit, für Christus, von dem er nicht abrückte. Man mag das kritisieren, wenn man möchte, aber tatsächlich ist Liebe ohne Wahrheit kaum vorstellbar.

Allerdings ist auch Wahrheit ohne Liebe kaum vorstellbar, und es gehört zum Wesen unseres Gottes dazu, dass er die Wahrheit und die Liebe gleichermaßen ist. Und so stehen wir heute vor der Aufgabe, beides miteinander zu verbinden, wo immer das möglich ist. Das geistliche Gespräch über die Dinge, über die wir alle nach wie vor unterschiedlicher Meinung sind, ist wichtig und macht mitunter sogar Freude und bei weitem nicht nur Last. Und in Christus die Wahrheit gefunden zu haben, wird man immer wieder zu bezeugen haben. Aber genauso wichtig ist es, dass wir auch erkennen, dass wir gemeinsam von Christus auf den Weg geschickt worden sind - und wir deshalb in seinem Geist geschwisterlich verbunden sind und dies auch zeigen dürfen. Der Leib Christi ist kein abstraktes Gedankengebilde, sondern er ist die Kirche - auch in der Art, in der man sie sehen kann - fehlbar und doch gerecht - wie alle Glaubenden, denen ihr Glaube zur Gerechtigkeit gerechnet wird. So ist es ein richtig gutes Zeichen, dass zB. die erste Nacht der Kirchen in Dippoldiswalde im Jahr des Reformationsjubiläums stattfindet. Das Verbindende wird sichtbar: das gemeinsame Zeugnis für Jesus Christus und das Wandeln in Seinem Heiligen Geist.

(Foto: Luther und Melanchthon im Dom zu Halberstadt)