Geistliches Wort

Gott hat alles schön gemacht zu seiner Zeit, auch hat er die Ewigkeit in ihr Herz gelegt, nur dass der Mensch nicht ergründen kann das Werk, das Gott tut, weder Anfang noch Ende.

Mit dem Monatsspruch für den September gibt es ein nachdenkliches Wort zum Spätsommer, wenn die Schule wieder beginnt und das Lernen wieder im Vordergrund steht. Deutlich ist die Grenze hörbar, die unserem Erkennen gesetzt ist - und nicht wenige werden hier reflexhaft eine "Wissenschaftsfeindlichkeit" unseres Glaubens vermuten. Freilich ist diese Grenze zuerst eine Erlaubnis gewesen - damals, als die Wissenschaft noch in den Kinderschuhen steckte. Denn die Grenze bezieht sich auf Gott, der nicht erkennbar ist. Die Schöpfung hingegen - also alles, was uns an Umwelt umgibt - steht unserem Forscherdrang offen. Sie ist nicht mythologisch verklärt, es gibt in ihr keine Götter, Geister und Dämonen, deren Spähre wir verletzen könnten, wenn wir nachforschen.

K1600 TR Museen 21Es ist uns von Gott geradezu untersagt worden, in der Schöpfung etwas anderes zu sehen als eben eine Schöpfung: Wir sollen weder Bäume noch Steine noch Sonne, Mond und Sterne anbeten. Sie alle sind Geschöpfe, die ihren Platz, ihre Aufgabe, ihre Wichtigkeit - und auch ihre Würde - haben. Aber sie dürfen trotzdem genutzt, erforscht, untersucht werden. Staunen können wir darüber, wie sie von Gott geordnet worden sind und wie die Schöpfung funktioniert - von mikroskopisch kleinen Lebensformen bis zu Schwarzen Löchern im Zentrum fast aller Galaxien. Und es gibt so vieles, was wir noch nicht wissen.

Dieses Wissenschaftsverständnis aus dem Alten Testament hat die vom Judentum und Christentum geprägten Gegenden unserer Welt nachhaltig geprägt. Unser Glaube stand dabei der Wissenschaft in aller Regel gerade nicht im Wege, sondern hat diese zumeist gefördert, wo immer es nötig war - und das selbst im "finsteren Mittelalter", welches heute oft noch als wissenschaftsfeindlich gesehen wird.

Das Staunen über die Schönheit der Schöpfung können wir uns hoffentlich bewahren. Wissenschaft könnte auf diese Weise sogar zu einem Lobpreis auf Gott werden. Und sie würde unserem Glauben in keiner Weise entgegenstehen. Schwierig würde es nur, wenn die Wissenschaft aus der Tatsache, dass man Gott nicht erkennen kann, den Schluss zöge, es gäbe ihn nicht - und wenn sich die Wissenschaft dann selbst zum Gott erheben würde. So kann man sich nur viele gläubige Menschen in der Wissenschaft wünschen. Hoffentlich lernen unsere Kinder und Jugendlichen viel in der Schule.

 

(Foto: Schulunterricht gab es schon früher: Relief aus der Römerzeit)