Geistliches Wort

Ich glaube, hilf meinem Unglauben! (Markus 9,24)

Es ist eine bewegende Geschichte - die eines Vaters und eines Sohnes, die auf ihre Weise zu Jesus Christus finden. Der eine wird gebracht - der Sohn nämlich. Sein Vater will ihn retten von einem bösen Geist. Und er vermutet, dass Jesus Christus ihm helfen kann. Und diesen leisen Zweifel, der in dieser Formulierung steckt, formuliert er auch. Jesus bemerkt dies sofort und greift sie auf: "Du sagst: Wenn du kannst. Alle Dinge sind möglich dem, der glaubt." Daraufhin schreit der Vater diesen Vers heraus, der uns in diesem Jahr als Jahreslosung gegeben ist: Ich glaube, hilf meinem Unglauben!

Vermutlich ist dieser Ausruf des Vaters unserer Art zu glauben sehr nahe. Zu oft haben wir schon erlebt, dass die Welt so weiterging wie bisher und dass alles Vertrauen auf ein Wunder dieses nicht hat eintreffen lassen. Ich erinnere mich an einen sehr frommen Menschen, der an Krebs erkrankt war und nicht müde wurde zu beten und auf ein Wunder zu hoffen, aber es trat nicht ein. Er verstarb nach wenigen Monaten. Die Worte von Jesus, dass alle Dinge möglich sind dem, der da glaubt, können Worte sein, die einen maßlos unter Druck setzen. Denn wenn das Wunder nicht kommt, liegt es wohl nicht an Gott, sondern am fehlenden eigenen Glauben. Wann aber glaube ich genug, um ein Wunder "erwarten" zu können? Wann reicht es?

Es ist für mich bemerkenswert, dass der Vater des Jungen seinen Glauben immerhin so formulieren kann, wie er es tut. Aber mehr noch wird deutlich, wie sehr Glaube ein Geschenk Gottes ist. Es ist nicht möglich, dass ich aus eigener Kraft zu Gott kommen kann, sondern er ist es, der ruft und in mir das Ja schafft, mit dem ich zu Gott kommen kann. Der Vater ist nicht weniger "krank" wie sein Sohn - auch beim Vater ist es Gott, der ihn ruft, ihn heilt und zu sich führt. Ich glaube, hilf meinem Unglauben - ehrlicher kann man es von Seiten des Menschen nicht formulieren. Viele möchten glauben, können es aber nicht, weil es keine Frage der eigenen Entscheidung ist, zu Gott zu kommen oder nicht. Was ich zu Gott bringe, ist immer Unglauben.

Dem der glaubt, sind alle Dinge möglich. Das ist sicher wahr. Aber es ist nicht mein Glaube, von dem Jesus hier spricht. Es ist ein Glaube, der eingesteht, dass das Heil allein von Gott kommt - inklusive meines eigenen Ja zu ihm: Ich glaube, hilf meinem Unglauben.