Als die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und unter das Gesetz getan. (Galater 4,4)

Am 25. März ist ein Tag, der kaum im Bewusstsein der Leute ist: der Tag der Ankündigung der Geburt des Herrn. 9 Monate vor dem Weihnachtsfest. Das ist wohl das Merkwürdigste, was man jetzt tun kann - über Weihnachten nachzudenken. Und doch mache ich es, weil mich vieles bewegt - unter anderem auch das Folgende:

Unsere Geschäfte zB. - hier bei uns in der Region und überall im Land - würden sich wünschen, nach dem Überstehen der CORONA-Krise am besten mehrere Weihnachtsgeschäfte hintereinander zu haben. Und zwar besonders die kleinen Geschäfte. Denn für sie ist diese Zeit eine Katastrophe, ebenso für alle Vereine, alle Selbständigen, die Dienstleistungen anbieten, die in normalen Zeiten alle sehr gefragt wären, in Krisenzeiten aber als erste gestrichen werden. Sie haben Angst davor, vermutlich auch deswegen, weil vielleicht nicht nur jetzt keiner mehr dort kauft, sondern wohlmöglich auch "danach" nicht mehr, weil man sich noch mehr an den online-Handel gewöhnt hat als jetzt schon. Oder weil viele Dienstleistungen, ohne die man gerade wieder leben lernt, anschließend vielleicht auch nicht wieder genutzt werden. "Gaststätten, Kleidung, Schuhe, Musik, Bücher und und und - gibts doch alles im Netz - kann ich mir doch alles liefern lassen." Was diese Zeiten mit unserem Lebensstil machen werden, ist heute noch gar nicht absehbar.

K1600 DSCN6517Unsere Wirtschaft ganz allgemein braucht unsere Anteilnahme, denn sie ist die Basis unseres recht wohlhabenden Zusammenlebens. Kürzlich las ich bei Twitter einen verärgerten Tweet über einen Politiker, der sich besorgt über die Situation der Wirtschaft äußerte. In diesem Tweet stand sinngemäß drin: "Na typisch - der denkt wieder bloß an die Wirtschaft." Natürlich könnte man trocken sagen: "Naja - es gibt so viele Dinge, die ich nicht brauche. Was interessierts mich, was aus den dazu gehörenden Betrieben wird?!" Aber hinter alledem stecken Menschen, die nun schlagartig nichts mehr zu tun haben - und das wohlmöglich dauerhaft. Einen Moment innehalten und nachdenken sollte man, bevor man sich gleichgültig über die Situation unserer Betriebe und Unternehmen äußert. Sie sind ein Spiegel dessen, wie wir leben und nach welchen Maßstäben wir unser Leben gestalten. Und - sie bestehen aus lauter Menschen wie Du und ich.

Man möge mir nicht böse sein, wenn ich angesichts des 25. März - 9 Monate vor Weihnachten - in einem geistlichen Wort zum Tag der Ankündigung der Geburt des Herrn mich so nachdenklich über die Lage der Wirtschaft äußere. Die Kommerzialisierung des Weihnachtsfestes ist sicher etwas sehr Abstoßendes, keine Frage. Aber das alljährliche Geschenkekaufen hat vermutlich auch sein Gutes: es schult nämlich auch für Zeiten wie diese - dass man sich nämlich in einer wirklichen Not tatsächlich auch mal wieder ganz real beisteht, an andere denkt, sie beschenkt, sie fröhlich macht, einander grüßt und virtuelle oder reale Karten schreibt und niemanden allein lässt.

Ich habe in den letzten Tagen von einer Idee gehört - wie manche andere vielleicht auch: sie kam abends in den Nachrichten. Und auch das passt zu einem 25. März, dem Tag der Ankündigung der Geburt des Herrn. Manche stellen wieder Schwibbögen auf und lassen sie abends leuchten. Das ist inzwischen bedeutend schwieriger als zur Weihnachtszeit: die Tage sind länger geworden, und nächste Woche verlagert sich der Einbruch der Dunkelheit noch deutlich weiter nach hinten. Aber es ist eine Geste, um das menschenleere Leben in den Nächten trotzdem wieder mit Wärme zu erfüllen - eine sichtbare stille Geste. Ich fand diese Idee gut und habe es ebenso gemacht: einer von meinen Bögen steht wieder im Fenster und leuchtet in der Dunkelheit für eine Stunde.

Als Christus in die Welt kam, wurde es hell: auf dem Feld nahe Bethlehem. Und für viele ist Christus das, was er selbst auch so formulierte: "Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben." (Johannes 8,12). Dafür nahm er die Dunkelheit auf sich, dem Gesetz gehorsam - den Willen Gottes erfüllend - und unsere Schuld tragend bis hin zum Tod am Kreuz. Ich hoffe, dass unser Land und unsere ganze Welt bald wieder lichte Zeiten erlebt, dass wir aber auch nachdenklich, klug und besonnen in dieser jetzigen Zeit sind - und die Erfahrungen, die wir gesammelt haben, nicht vergessen.

 

(Bild: Eine der beiden Kirchen der Ankündigung der Geburt Christi in Nazareth. Quelle: Pfr. Schurig, eigenes Bild)