Geistliches Wort

Suche Frieden und jage ihm nach. (Psalm 34,15)

Eindeutig ist es, was uns hier nahegelegt wird: den Frieden zu suchen. Dass wir in einem Land leben, in dem es seit 74 Jahren keinen Krieg mehr gibt, ist ein großes Geschenk. So lange war es noch nie friedlich in unserem Land. Dass es auf der Welt nicht friedlich ist, wissen wir, aber im Grunde ist es ein Geschenk, dass wir uns so viel über die Probleme und Kriege anderer den Kopf zerbrechen können, weil wir eigene Kriege derzeit nicht haben.

Und auch das wäre noch zu präzisieren: denn zwar bringen uns die Nachrichten jeden Abend brühwarm die neusten Bilder aus aller Herren Länder, in denen Krieg und Terror herrschen. Dies täuscht jedoch darüber hinweg, dass unsere Welt in den letzten Jahrzehnten immer friedlicher geworden ist, immer mehr Kriege geendet haben und in vielen Ländern das Leben sicherer geworden ist. Und das sind gute Nachrichten - die vielleicht nicht immer quotenträchtig sind und sich im Fernsehen schlecht machen - die aber zu unserer Realität dazugehören. Ja - es geschieht auch Gutes. Über den Frieden nachzudenken ist trotzdem immer sinnvoll, weil uns dieses Nachdenken immer wieder vor dieselben Fragen stellt: Was sind wir bereit, um des Friedens willen zu tun? Was darf uns Frieden kosten? Welchen Wert haben Kompromisse, die ja doch die Basis für den Frieden bilden? Was bin ich also bereit zu geben, um Frieden möglich zu machen?

Als im Jahre 1259 vChr. das ägyptische und das hethitische Reich den ältesten heute bekannten Friedensvertrag der Welt schlossen, geschah das aus Einsicht: Keiner war bereit, den anderen wirklich dauerhaft zu besiegen. Also verzichtete man auf weitere Kampfhandlungen, und jeder gab einen Teil seiner Maximalforderungen ab. Als 1648 der Frieden von Münster und Osnabrück (Westfälischer Frieden) in Kraft trat, geschah dies aus derselben Einsicht heraus. Andere Friedensverträge sind aus einer Position vermeintlicher Stärke heraus geschlossen worden. Sie trugen schon bei Abschluss den Keim eines neuen Krieges in sich.

Auf Golgatha ging Gott seinen Weg zum Frieden: in Jesus Christus schloss er ihn mit uns. Er tat dies aus Liebe - und gab dabei seine Position der Stärke auf, wurde schwach, trug Schuld und vergab sie zugleich. Christus ist unser Friede, und er erinnert uns zugleich daran, was wahrer Frieden kosten kann: das Leben. Von SEINER Gnade zehren wir. Möge uns ein friedliches Jahr beschert werden - und mögen wir in Christus unseren Frieden mit Gott und miteinander finden.