Andachten

Tageslosung zum 8. Mai

Herr, lass mir deine Barmherzigkeit widerfahren, dass ich lebe.

(Psalm 119,77)

Inmitten des längsten Psalmes der Bibel, der nichts anderes unternimmt als immer wieder Gottes Wort und Gebot zu loben, findet sich dieser Vers der Barmherzigkeit. Und Barmherzigkeit - so wird es kurz und knapp in Gebetsform gesagt - ist der einzige Weg, der dem Betenden das Leben ermöglicht: Lass mir deine Barmherzigkeit widerfahren, dass ich lebe. Im Grunde ist dazu nicht viel zu sagen, der Vers spricht für sich: Ohne Barmherzigkeit gibt es kein Leben. Das gilt in unserem Verhältnis zu Gott und ebenso in unserem Verhältnis zueinander.

In meinem Studium in den USA hatte ich einen akademischen Lehrer. An dem theologischen Seminar hatte jeder Student einen solchen Lehrer, Berater, Betreuer, der sich persönlich um die ihm zugewiesenen Studenten zu kümmern hatte. Meiner war ein damals schon hochbetagter Mensch - ein Professor für Altes Testament, der aus Deutschland stammte und in den USA seine Heimat gefunden hatte. Er war im Weltkrieg Offizier gewesen, war an den östlichen Kriegsschauplätzen gewesen. Nach dem Krieg wurde er Theologe, wanderte aus Deutschland aus und war hierher in die USA gekommen. Und seine Arbeit am Seminar bestand zu einem großen Teil in Versöhnungsarbeit. Es ergab sich einfach so. Er hatte beispielsweise Freundschaft mit einem Rabbiner geschlossen, und mit ihm zusammen lehrte er uns Altes Testament, sowie Talmudlektüre - und die beiden standen jeweils vorne, hielten jeder einen Teil des abendlichen Seminars - und brachten uns nebenbei bei, wie Respekt und Freundschaft selbst über solche geschichtlichen Barrieren zwischen einem ehemaligen deutschen Offizier und einem Rabbiner wachsen können. Gemeinsam unterrichteten sie uns auch darin, wie Theologie nach dem Holocaust möglich sein kann, welche Voraussetzungen es dazu braucht - und wo auch die Grenzen sind. Dass mein deutscher Mitstudent und ich an der Synagoge des Rabbiners als Gäste der Gemeinde am Passafest teilnehmen konnten, war für mich ein unvergessliches Erlebnis - gerade auch, weil es so schön, entspannt, fröhlich gewesen ist. Man war einfach zusammen und feierte miteinander. Es war eine unbefangene Begegnung mit Juden, wie ich sie so seither nie wieder erlebt habe.

Ohne Barmherzigkeit gibt es kein Leben. Sie ist es, die Leben neu wachsen lässt. Keinen anderen Sinn haben Gnade und Barmherzigkeit. Es ist nicht immer möglich, gnädig und barmherzig zu sein. Manchmal sind die Gräben zu tief. Aber dass zum Beispiel unser Land seit 75 Jahren in Frieden lebt, die Städte und Orte wieder aufbauen konnte, erneut zu Wohlstand und zu Freiheit kommen konnte, das ist schon sehr bemerkenswert - und es zeigt, was manchmal auch möglich ist.

In diesem Jahr wird der 75. Jahrestag des Kriegsendes am 8. Mai in Europa von der Thematik Corona überdeckt werden. Große symbolische Momente wird es kaum geben - weder in unserem Land noch in denen, die den Krieg damals gewonnen haben. Aber es ist ein Tag des Erinnerns wert - und der Dankbarkeit wert für Barmherzigkeit, die unserem Land zuteil geworden ist.

 

Tageslosung Mittwoch, 15. April

Der Herr, dein Gott, ist bei dir gewesen. An nichts hast du Mangel gehabt.

(5Mose 2,7)

In der Rückschau sah es so aus, wie es hier beschrieben wird: Gott war bei dir - und es gab keinen Mangel. Mose sagte das - neben vielem anderen - zum Volk Israel, und er zitierte dabei Gottes Anweisung, ein benachbartes Volk nicht anzugreifen, sondern durch Handel zu den benötigten Lebensmitteln zu kommen. Die Losung untermauert das, indem sie sinngemäß meint: "Ihr müsst nicht zu den Waffen greifen. Handelt lieber - es ging Euch doch 40 Jahre lang gut unter Gottes Führung."

20130803 282In der Rückschau sah es so aus: "Der Herr, dein Gott, ist bei dir gewesen. An nichts hast du Mangel gehabt." Wie es sich freilich während der Krise anfühlte, steht vermutlich auf einem anderen Blatt. In der Krise spürt man Mangel deutlicher. Und man weiß auch nicht, wie man wieder herauskommt. In den vielen Gesprächen, die ich in den letzten Tagen und Wochen führen und erleben durfte, habe ich vieles von Mangel vernommen: An schlichtem Geld, Mangel an Aufträgen für die eigene Firma, um die Krise gut zu bestehen, aber auch an Zeit und Kraft, sich ausreichend um die Kinder und deren schulische Belange kümmern zu können. Mangel auch an Kontakten - es war schade, dass sich die Familien zu Ostern nicht sehen konnten. Mangel auch an Aufmerksamkeit für andere Probleme, die neben Corona auch wichtig sind, die nun aber völlig aus dem Blick geraten sind. Und damit meine ich nicht nur die nach wie vor bestehenden Probleme an den Außengrenzen der EU, sondern auch die Tatsache, dass man auch an anderen Dingen als an Corona stirbt: an Krebs zB., oder an anderen Krankheiten, manch einer auch an Verzweiflung angesichts der vielen Probleme der Welt. An vielen anderen Dingen kann man auch sterben - aber all das verblasst angesichts von Corona. Manche werden den Mangel später spüren, wenn andere längst wieder zur Tagesordnung übergegangen sein werden. Dazu zählen zB. Baufirmen und ähnliche Betriebe, die später erst spüren werden, dass Leute sich Geldausgaben sparen und Bauvorhaben doch noch ein wenig vor sich her schieben. Manche haben auch keinen Mangel. Vielleicht sogar recht viele, denn die Epidemie hat Deutschland zu einer Zeit getroffen, in der die Deutschen im Schnitt so reich waren wie noch nie. Mancher Mangel verschwindet auch wieder - es gibt wieder Toilettenpapier - im Grunde freilich gab es das immer in den letzten Wochen.

Israel hatte in der langen Wüstenwanderung schwere Zeiten zu bestehen. Dass sie im Nachhinein diese Zeiten so rosig sahen, lag am geistlichen Gehalt dieser Zeit: Man spürte, wie man mit einfachen Mitteln und mit Vertrauen auf Gott leben konnte. Es ging - auch wenn man nur von der Hand in den Mund leben konnte. Es ging, auch wenn man keine Vorräte hatte. Es ging, auch wenn von außen Feinde drängelten. Es ging, obwohl man manchmal nicht wusste, wo die nächste Wasserquelle ist. Es ging, obwohl viele verstorben sind und das Gelobte Land nicht gesehen haben. Es ging - und es war eine Zeit, die Israel in der Rückschau sogar näher zu Gott gebracht hatte als jede andere Zeit in der Geschichte Israels.

Im Grunde möchte ich nicht, dass wir ausgerechnet durch eine Krise Gottvertrauen neu lernen. Manche haben das in den letzten Jahren immer mal zu mir gesagt: "Herr Pfarrer, es muss erst mal wieder eine richtige Krise kommen, dann sind die Leute wieder da." Ich fand das immer ganz furchtbar und hoffe, einen solchen Tag nie zu erleben. Ich möchte in keinem Sinn der Profiteur von Leiden sein. Aber eines wäre sehr schön: Es geht nicht so sehr darum, dass wir in schweren Zeiten zu Gott finden, sondern viel besser wäre es, wenn wir ihn in guten Zeiten nicht immer so schnell vergessen würden. Und noch mehr: Wenn wir doch Gott nicht nur immer die Schuld für alles geben würden, was nicht gelingt, sondern ab und an auch dankbar wären für alles, was es an Gutem gibt. Viele sagen: "Ich kann nicht glauben angesichts des Leides." Warum sagen nicht auch viele: "Ich muss glauben angesichts des Guten. Ich kann gar nicht anders als Gott vertrauen - es gibt so viel Schönes und Gutes."

Karsamstag und Ostersonntag

Jona sprach: Ich rief zu dem Herrn in meiner Angst, und er antwortete mir. Ich schrie aus dem Rachen des Todes, und du hörtest meine Stimme.

(Jona 2,3)

Es gibt nur einen Tag, an dem Jesus tot war: den Karsamstag. Wie mögen sich die Jünger an dem Tag gefühlt haben? Sie erlebten aus der Ferne mit, wie Jesus am Kreuz stirbt, und dann wird er begraben. Und ein Stein wird vor das Grab gerollt. Und dann kommt der Tag, an dem Jesus im Grab liegt und tot ist. Und mit ihm alle Hoffnung. Was haben die Jünger an diesem Tag gemacht? Es war Sabbat - ohnehin ein Ruhetag mit stark eingeschränkten Tätigkeiten und Bewegungsfeld. Ein Tag, an dem man zuhause ist - idealerweise mit Gott Gemeinschaft hat - in welcher Weise das auch immer geschieht: durch Lesen in der Bibel, Gebet für sich allein oder gemeinsam, bescheidenem oder reichhaltigem Essen, oder auch schlicht durch Zeit für die Familie. Für die Jünger war es der Tag, an dem sie wussten: mit ihm, Jesus, der ihnen so viel Gemeinschaft mit Gott vermittelt hatte, haben sie nun keine Gemeinschaft mehr. Wegrennen und Verleugnung war das letzte, was die Jünger an Jesus getan hatten. Mit diesem Abschied mussten sie nun leben.

K1600 02Februar 2Es war der Tag, an dem die Hoffnung tot war. Wie viele Menschen mag es heute geben, die es genau so empfinden: Die Hoffnung ist tot. Manche sagen: "Die Hoffnung stirbt zuletzt." Dieser Satz enthält aber eben die Botschaft, dass die Hoffnung stirbt. Dass sie zuletzt stirbt, ist kein Trost - sie tut es, wann auch immer. Was für eine Botschaft! Sie lässt einen hoffnungslos zurück.

Für wie viele Menschen auf Erden ist wohl immer Karsamstag!? Unsere Welt vermittelt für viele ein trostloses Bild. Über unsere Bildschirme flimmert derzeit nahezu ausschließlich die Krankheit, und wenn diese vorbei ist, kommen die anderen Probleme wieder. Ich denke zwar oft, dass die düsteren Sichtweisen auf unsere Welt auch mit unserer Wahrnehmung zu tun haben oder mit dem, was uns aus der Welt berichtet wird. Ich weiß es ja auch nicht, warum schlechte Nachrichten - egal ob zutreffend oder nicht - fast immer auf fruchtbaren Boden fallen, während die guten Nachrichten überhört, bezweifelt und hinterfragt werden, bis man endlich ein Haar in der Suppe gefunden hat, was die gute Nachricht zur schlechten Nachricht macht. Ich sehe nur mit Nachdenklichkeit, dass es so ist, und dass es allzu oft die Optimisten sind, die sich für ihre Gelassenheit rechtfertigen müssen. Und - natürlich geschehen auch all diese schweren Dinge wirklich. Man darf Leid auch nicht verschweigen. Es ist also eine schwierige Gratwanderung. Aber Hoffnung zu schenken in einer Welt, die sich immer im Zustand des Karsamstags befindet, ist fast unmöglich.

Jona betete aus dem Bauch des Fisches. Ich hoffe, dass die "technischen Details" dessen, wie ein Mensch in einen Wal gelangt und dort überlebt, uns nicht den Blick auf diese Geschichte verstellen: Wie ein Mensch am Tiefpunkt seines Lebens das Gebet entdeckt und es wagt, Hoffnung zu formulieren. Jona bittet ja gar nicht, dass Gott ihn doch erhören möge. Sondern er formuliert es im Indikativ - und in der Vergangenheit - dass Gott gehört und geantwortet hat. Für Jona war ganz sicher "Karsamstag" - im Bauch dieses Fisches. Aber er kennt Gott - und betet zu ihm. Mich bewegt es, Menschen zu treffen, die wie Jona am Tiefpunkt die Umkehr in die Hoffnung geschafft haben. Es gibt sie - natürlich - auch in unserer Zeit.

Der Karsamstag hatte 24 Stunden - wie jeder andere Tag auch. Er kam - und er ging. Was danach kam, wird heute von vielen bezweifelt - und wir ChristenK1600 Indien 2015 575 werden ab und an auch belächelt dafür, dass wir es glauben: Auferstehung am Ostersonntag. Ein unglaubliches Geschehen! Aber es ist das, was kam: Aus "des Todes Rachen" stand Christus auf - und er lebt. Es brauchte ein bisschen, bis die Jünger diese Botschaft in ihr Herz lassen konnten. Auch die Frauen, die am Morgen die ersten waren, erschraken im ersten Moment. Das Markusevangelium endete ursprünglich sogar mit diesem Erschrecken. Aber die Frauen wie die Jünger begannen es dennoch allen zu erzählen: Der Karsamstag ist vorbei - Jesus lebt. Vertraut darauf - der Karsamstag ist vorbei.

Ich wünsche uns allen, dass der Karsamstag auch für uns vergeht - und wir den Ostersonntag in unser Leben lassen. Lassen wir den Karsamstag ruhen. Die Hoffnung lebt - denn Jesus Christus ist auferstanden.

 

(Bilder: eigenes Archiv, Mondschein und Sonnenaufgang)

Gründonnerstag 2020

Er hat ein Gedächtnis gestiftet seiner Wunder - der gnädige und barmherzige Herr.

(Psalm 111,4, Bibelwort für den Gründonnerstag)

 

Einer der Feiertage, die wir in diesem Jahr nicht mit Gottesdiensten feiern können, ist der Gründonnerstag, der Tag der Einsetzung des Heiligen Abendmahls. "In der Nacht, da er verraten wurde..." - da sind wir auch immer zusammengekommen - am Abend gegen 19 Uhr oder 19.30 Uhr, um gemeinsam Gottesdienst zu feiern und Abendmahlsgemeinschaft zu haben. In der Nacht um 23 Uhr folgte dann ein Nachtgebet in Erinnerung dessen, wie Jesus Christus im Garten Getsemaneh gebetet und Todesangst gehabt hat. Beides wird uns fehlen - und das nicht nur deswegen, weil es üblich ist, dass die Dippoldiswalder Konfirmanden an diesem Abend erstmals das Heilige Abendmahl empfangen.

Die Angst der Jünger vor der Zukunft war an diesem Abend mit Händen zu greifen. Sie spürten, dass etwas Besonderes, etwas Schweres bevorstand. Jesus Christus wusste es, weshalb er diese Gemeinschaft unbedingt mit seinen Jüngern feiern wollte. Und während die Evangelien nach Matthäus, Markus und Lukas sich bezüglich der Reden von Jesus an seine Jünger kurz fassten, liest man im Johannesevangelium kapitelweise Reden von Jesus an seine Jünger. Sie sagten nichts anderes als das: Ich bin bei euch - durch den Heiligen Geist. Habt keine Angst vor dem, was kommt. Ich lasse euch nicht allein, lasse euch nicht zurück. Habt meinen Frieden im Herzen und Liebe zueinander.

K1600 Fruska Gora 25Derweil schildern die anderen drei Evangelien, wie Jesus Brot und Wein nimmt, sie als seinen eigenen Leib und sein Blut bezeichnet und auf diese Weise seinen Jüngern dasselbe sagt: Ich bin bei euch, ganz real und ohne Abstriche. Ihr habt mich bei euch, wann immer ihr dieses Abendmahl feiert. Ich lasse euch nicht im Stich.

Die Erinnerung an den Tod von Jesus am Kreuz wird also immer dabei sein, wenn Abendmahl gefeiert wird - und ebenso der Blick in die Zukunft und die Vorfreude auf den Tag, an dem wir im Himmel - in Seines und Unseres Vaters Reich - das Abendmahl von neuem mit Ihm haben werden. Diese Gemeinschaft war damals echt, und sie ist es heute nicht weniger. Sie verbindet uns mit Jesus Christus, und sie verbindet uns auch miteinander - zu einem Leib, zu einer Gemeinde.

Nicht wenige in unseren Gemeinden vermissen das Abendmahl. Man könnte es feiern - virtuell - indem der Pfarrer in der Kirche steht und die Abendmahlsliturgie mit Ihnen allen zuhause an den Bildschirmen feiert. Freilich wäre es nicht dasselbe, wie wenn wir in unseren Kirchen tatsächlich zusammen wären. Oft muss ich darüber nachdenken, ob eine Erlaubnis zum Hausabendmahl für solche Zeiten nicht auch sinnvoll wäre. Dann könnte man wenigstens zuhause die Gemeinschaft feiern, die wir momentan in unseren Kirchen nicht haben können. Andererseits hat es vielleicht auch seinen Sinn, nun einige Wochen nicht das Abendmahl feiern zu können. Denn es ist ein Mahl, was uns nicht nur in unseren Familien miteinander, sondern uns eben auch darüber hinaus als ganze Gemeinde mit Christus und miteinander verbinden soll. Es ist immer etwas, was über uns hinausweist und uns in eine größere Gemeinschaft mit einfügt. In diesen Wochen also das Abendmahl zu fasten, weckt vielleicht erneut die Sehnsucht nach dieser viel größeren Gemeinschaft des Leibes Christi. Ich freue mich deshalb sehr darauf, dass wir in einigen Wochen wieder in unseren Kirchen zusammenkommen können und dann auch wieder am Tisch des Herrn zusammen sind.

Es ist eine Zeit der geistlichen Entbehrung. Etwas Wesentliches fehlt. Aber es kommt der Tag, an dem wir wieder in Unseres himmlischen Vaters Haus - in unseren Kirchen - miteinander zum Abendmahl versammelt sein werden. Das wird schön.

K1600 DSCN5833Vielleicht treffen Sie sich am Gründonnerstag abend in Ihren Familien und in Ihren Häusern. Vielleicht essen Sie miteinander, und vor dem Essen beten Sie. Auch eine brennende Kerze ist schön. Während des Essens liest einer von Ihnen die Geschichte von der Einsetzung des Heiligen Abendmahls vor (Matthäus 26,17-29 / Markus 14,12-25 / Lukas 22,7-20), und Sie sprechen zuhause ein Gebet. All das ist eine kleine Erinnerung an das, was damals geschah - und an unsere Gemeinschaft, die wir normalerweise an diesem Abend hätten. Auch die Geschichten von Jesus und den Jüngern im Garten Getsemaneh sind bewegend - sie stehen direkt im Anschluss an die genannten Bibelstellen.

Möge Gott es uns schenken, dass wir einander bald wieder begegnen können - und dass wir Gemeinschaft miteinander und mit unserem Herrn haben können. Ihnen allen einen gesegneten Gründonnerstag.

 

 

(Bild 1: Das Abendmahl. Neu gemalte Darstellung in einem serbisch-orthodoxen Kloster. Bild 2: Ein viele Jahrhunderte alter Olivenbaum im Garten Getsemaneh bei Jerusalem. Sehen Sie die kleine Eidechse? Quelle: eigene Bilder Pfr. Schurig)

 

 

 

Andacht zum Wochenspruch

Der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben als Lösegeld für viele. (Matthäus 20,28)

Wochenspruch für die Woche ab dem 29. März 2020.

Es gibt Zeiten, da merkt man, was wichtig ist. Vielleicht gehören die jetzigen Zeiten dazu.

Ich merke es in Gesprächen mit vielen Leuten, wie wichtig zur Zeit zB. die Familie und die Freunde sind: nahe Angehörige, die da sind - zum Einkaufen oder zum Besuchen, zum Telefonieren, zum Begleiten und zum täglichen Kontakt und zum Reden. Auch zum Helfen bei alltäglichen Dingen wie Fahrdienst oder Kinderbetreuung. Gegenseitige Hilfe, die immer da ist und immer wichtig ist, aber zur Zeit besonders gebraucht wird. Und es ist schön zu höre, dass viele Leute solche Hilfe haben. Manche haben solche Hilfe auch nicht. Für diese Leute gibt es dann vielleicht Hilfe bei Internet-Seiten oder in Kirchgemeinden und anderen Netzwerken.

Ganz einfach wird dann geholfen - ohne lange zu fragen. Wir merken auf diese Weise, welcher Schatz unsere Familien und Freunde sind. Und von mancher Familie, die die Quarantäne schon überstanden hat, hört man: "Wir sind zusammengewachsen in diesen Tagen." Manche merken auch, dass genau dieses familiäre Netz nicht mehr trägt. In China ist die Zahl der Anträge auf Ehescheidung stark gestiegen: Paare haben es nicht miteinander ausgehalten in den Zeiten der Quarantäne.

Demgegenüber gibt es aber auch Fragen, die nicht mehr so wichtig sind. Wohin zB. der nächste Urlaub geht. Wann der neue James-Bond-Film in den Kinos startet. Ob es in diesem Jahr Olympische Spiele gibt oder nicht. Wer deutscher Meister im Fußball wird oder wir glücklich Prinz Harry und Megan in Kanada werden. Selbst eigentlich wichtige Dinge wie die Flüchtlingskrise odeer der Syrienkrieg sind aus den Nachrichten nahezu verschwunden, auch von Anschlägen hören wir nur noch selten. All das liegt nun aber fern, wir sind jetzt alle mit sehr naheliegenden Dingen beschäftigt.

Dass eine Mutter sich um ihre beiden Söhne sorgt, ist im Grunde immer verständlich. Aber auch dabei gibt es manchmal sonderbare Probleme. Zwei Jünger von Jesus mit Namen Jakobus und Johannes waren Brüder. Und deren Mutter kam mal zu Jesus und sagte ihm: "Jesus, lass meine beiden Jungs im Himmelreich rechts und links von dir sitzen."

Jesus sagte zu ihr und den beiden Brüdern: "Na, wisst ihr auch, was da schlimmstenfalls auf euch zukommt? Das wird nicht einfach."

"Aber natürlich.", sagen die beiden.

Jesus sagt zu ihnen: "Dann rechnet mal mit dem Schlimmsten, aber die besten Plätze im Himmel verteile ich trotzdem nicht. Das macht jemand anderes."

Warum der Mutter diese Frage so wichtig war? Ich weiß es nicht.Mir ist sie nicht so wichtig, schon gar nicht jetzt. Ich will nicht in der ersten Reihe sitzen. Mir wäre es wichtiger, dass wir überhaupt alle im Himmel zusammen sind. Dass wir uns dort treffen können, gerne mit Handschlag oder gar einer Umarmung und einem fröhlichen "Schön, dich zu sehen!" "Was - Du auch hier? Na, das ist ja eine Freude!" Dass Zusammenkünfte im Himmel erlaubt sind - bitte mit mehr als zwei Personen - und auch dann, wenn es für Gott gar keinen triftigen Grund gab, uns dort reinzulassen. Dass wir zusammen sind mit denen, die wir lieben, und auch gerne mit denen, die wir hier auf Erden nicht so lieben konnten.

Der Weg dahin ist schwer. Das sagte Jesus schon den beiden Brüdern. Und im Wochenspruch sagt er es uns auch: Ich bin nicht gekommen, um mich bedienen zu lassen, sondern um zu dienen und um mein Leben für die Erlösung vieler Menschen zu geben.

Einander unser Leben geben - das wird der Weg sein. Hoffentlich werden wir dabei unser eigenes Leben nicht wirklich verlieren. Vor allem aber hoffe ich, dass wir einander nicht aufgeben, zusammenbleiben, trotz Einschränkungen einander dienen mit dem, was wir könnnen und haben. Und - wo wir dann im Himmel sitzen, das muss uns nicht beschäftigen. Es gibt bei Gott keine schlechten Plätze.