Andachten

Gründonnerstag 2020

Er hat ein Gedächtnis gestiftet seiner Wunder - der gnädige und barmherzige Herr.

(Psalm 111,4, Bibelwort für den Gründonnerstag)

 

Einer der Feiertage, die wir in diesem Jahr nicht mit Gottesdiensten feiern können, ist der Gründonnerstag, der Tag der Einsetzung des Heiligen Abendmahls. "In der Nacht, da er verraten wurde..." - da sind wir auch immer zusammengekommen - am Abend gegen 19 Uhr oder 19.30 Uhr, um gemeinsam Gottesdienst zu feiern und Abendmahlsgemeinschaft zu haben. In der Nacht um 23 Uhr folgte dann ein Nachtgebet in Erinnerung dessen, wie Jesus Christus im Garten Getsemaneh gebetet und Todesangst gehabt hat. Beides wird uns fehlen - und das nicht nur deswegen, weil es üblich ist, dass die Dippoldiswalder Konfirmanden an diesem Abend erstmals das Heilige Abendmahl empfangen.

Die Angst der Jünger vor der Zukunft war an diesem Abend mit Händen zu greifen. Sie spürten, dass etwas Besonderes, etwas Schweres bevorstand. Jesus Christus wusste es, weshalb er diese Gemeinschaft unbedingt mit seinen Jüngern feiern wollte. Und während die Evangelien nach Matthäus, Markus und Lukas sich bezüglich der Reden von Jesus an seine Jünger kurz fassten, liest man im Johannesevangelium kapitelweise Reden von Jesus an seine Jünger. Sie sagten nichts anderes als das: Ich bin bei euch - durch den Heiligen Geist. Habt keine Angst vor dem, was kommt. Ich lasse euch nicht allein, lasse euch nicht zurück. Habt meinen Frieden im Herzen und Liebe zueinander.

K1600 Fruska Gora 25Derweil schildern die anderen drei Evangelien, wie Jesus Brot und Wein nimmt, sie als seinen eigenen Leib und sein Blut bezeichnet und auf diese Weise seinen Jüngern dasselbe sagt: Ich bin bei euch, ganz real und ohne Abstriche. Ihr habt mich bei euch, wann immer ihr dieses Abendmahl feiert. Ich lasse euch nicht im Stich.

Die Erinnerung an den Tod von Jesus am Kreuz wird also immer dabei sein, wenn Abendmahl gefeiert wird - und ebenso der Blick in die Zukunft und die Vorfreude auf den Tag, an dem wir im Himmel - in Seines und Unseres Vaters Reich - das Abendmahl von neuem mit Ihm haben werden. Diese Gemeinschaft war damals echt, und sie ist es heute nicht weniger. Sie verbindet uns mit Jesus Christus, und sie verbindet uns auch miteinander - zu einem Leib, zu einer Gemeinde.

Nicht wenige in unseren Gemeinden vermissen das Abendmahl. Man könnte es feiern - virtuell - indem der Pfarrer in der Kirche steht und die Abendmahlsliturgie mit Ihnen allen zuhause an den Bildschirmen feiert. Freilich wäre es nicht dasselbe, wie wenn wir in unseren Kirchen tatsächlich zusammen wären. Oft muss ich darüber nachdenken, ob eine Erlaubnis zum Hausabendmahl für solche Zeiten nicht auch sinnvoll wäre. Dann könnte man wenigstens zuhause die Gemeinschaft feiern, die wir momentan in unseren Kirchen nicht haben können. Andererseits hat es vielleicht auch seinen Sinn, nun einige Wochen nicht das Abendmahl feiern zu können. Denn es ist ein Mahl, was uns nicht nur in unseren Familien miteinander, sondern uns eben auch darüber hinaus als ganze Gemeinde mit Christus und miteinander verbinden soll. Es ist immer etwas, was über uns hinausweist und uns in eine größere Gemeinschaft mit einfügt. In diesen Wochen also das Abendmahl zu fasten, weckt vielleicht erneut die Sehnsucht nach dieser viel größeren Gemeinschaft des Leibes Christi. Ich freue mich deshalb sehr darauf, dass wir in einigen Wochen wieder in unseren Kirchen zusammenkommen können und dann auch wieder am Tisch des Herrn zusammen sind.

Es ist eine Zeit der geistlichen Entbehrung. Etwas Wesentliches fehlt. Aber es kommt der Tag, an dem wir wieder in Unseres himmlischen Vaters Haus - in unseren Kirchen - miteinander zum Abendmahl versammelt sein werden. Das wird schön.

K1600 DSCN5833Vielleicht treffen Sie sich am Gründonnerstag abend in Ihren Familien und in Ihren Häusern. Vielleicht essen Sie miteinander, und vor dem Essen beten Sie. Auch eine brennende Kerze ist schön. Während des Essens liest einer von Ihnen die Geschichte von der Einsetzung des Heiligen Abendmahls vor (Matthäus 26,17-29 / Markus 14,12-25 / Lukas 22,7-20), und Sie sprechen zuhause ein Gebet. All das ist eine kleine Erinnerung an das, was damals geschah - und an unsere Gemeinschaft, die wir normalerweise an diesem Abend hätten. Auch die Geschichten von Jesus und den Jüngern im Garten Getsemaneh sind bewegend - sie stehen direkt im Anschluss an die genannten Bibelstellen.

Möge Gott es uns schenken, dass wir einander bald wieder begegnen können - und dass wir Gemeinschaft miteinander und mit unserem Herrn haben können. Ihnen allen einen gesegneten Gründonnerstag.

 

 

(Bild 1: Das Abendmahl. Neu gemalte Darstellung in einem serbisch-orthodoxen Kloster. Bild 2: Ein viele Jahrhunderte alter Olivenbaum im Garten Getsemaneh bei Jerusalem. Sehen Sie die kleine Eidechse? Quelle: eigene Bilder Pfr. Schurig)

 

 

 

Andacht zum Wochenspruch

Der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben als Lösegeld für viele. (Matthäus 20,28)

Wochenspruch für die Woche ab dem 29. März 2020.

Es gibt Zeiten, da merkt man, was wichtig ist. Vielleicht gehören die jetzigen Zeiten dazu.

Ich merke es in Gesprächen mit vielen Leuten, wie wichtig zur Zeit zB. die Familie und die Freunde sind: nahe Angehörige, die da sind - zum Einkaufen oder zum Besuchen, zum Telefonieren, zum Begleiten und zum täglichen Kontakt und zum Reden. Auch zum Helfen bei alltäglichen Dingen wie Fahrdienst oder Kinderbetreuung. Gegenseitige Hilfe, die immer da ist und immer wichtig ist, aber zur Zeit besonders gebraucht wird. Und es ist schön zu höre, dass viele Leute solche Hilfe haben. Manche haben solche Hilfe auch nicht. Für diese Leute gibt es dann vielleicht Hilfe bei Internet-Seiten oder in Kirchgemeinden und anderen Netzwerken.

Ganz einfach wird dann geholfen - ohne lange zu fragen. Wir merken auf diese Weise, welcher Schatz unsere Familien und Freunde sind. Und von mancher Familie, die die Quarantäne schon überstanden hat, hört man: "Wir sind zusammengewachsen in diesen Tagen." Manche merken auch, dass genau dieses familiäre Netz nicht mehr trägt. In China ist die Zahl der Anträge auf Ehescheidung stark gestiegen: Paare haben es nicht miteinander ausgehalten in den Zeiten der Quarantäne.

Demgegenüber gibt es aber auch Fragen, die nicht mehr so wichtig sind. Wohin zB. der nächste Urlaub geht. Wann der neue James-Bond-Film in den Kinos startet. Ob es in diesem Jahr Olympische Spiele gibt oder nicht. Wer deutscher Meister im Fußball wird oder wir glücklich Prinz Harry und Megan in Kanada werden. Selbst eigentlich wichtige Dinge wie die Flüchtlingskrise odeer der Syrienkrieg sind aus den Nachrichten nahezu verschwunden, auch von Anschlägen hören wir nur noch selten. All das liegt nun aber fern, wir sind jetzt alle mit sehr naheliegenden Dingen beschäftigt.

Dass eine Mutter sich um ihre beiden Söhne sorgt, ist im Grunde immer verständlich. Aber auch dabei gibt es manchmal sonderbare Probleme. Zwei Jünger von Jesus mit Namen Jakobus und Johannes waren Brüder. Und deren Mutter kam mal zu Jesus und sagte ihm: "Jesus, lass meine beiden Jungs im Himmelreich rechts und links von dir sitzen."

Jesus sagte zu ihr und den beiden Brüdern: "Na, wisst ihr auch, was da schlimmstenfalls auf euch zukommt? Das wird nicht einfach."

"Aber natürlich.", sagen die beiden.

Jesus sagt zu ihnen: "Dann rechnet mal mit dem Schlimmsten, aber die besten Plätze im Himmel verteile ich trotzdem nicht. Das macht jemand anderes."

Warum der Mutter diese Frage so wichtig war? Ich weiß es nicht.Mir ist sie nicht so wichtig, schon gar nicht jetzt. Ich will nicht in der ersten Reihe sitzen. Mir wäre es wichtiger, dass wir überhaupt alle im Himmel zusammen sind. Dass wir uns dort treffen können, gerne mit Handschlag oder gar einer Umarmung und einem fröhlichen "Schön, dich zu sehen!" "Was - Du auch hier? Na, das ist ja eine Freude!" Dass Zusammenkünfte im Himmel erlaubt sind - bitte mit mehr als zwei Personen - und auch dann, wenn es für Gott gar keinen triftigen Grund gab, uns dort reinzulassen. Dass wir zusammen sind mit denen, die wir lieben, und auch gerne mit denen, die wir hier auf Erden nicht so lieben konnten.

Der Weg dahin ist schwer. Das sagte Jesus schon den beiden Brüdern. Und im Wochenspruch sagt er es uns auch: Ich bin nicht gekommen, um mich bedienen zu lassen, sondern um zu dienen und um mein Leben für die Erlösung vieler Menschen zu geben.

Einander unser Leben geben - das wird der Weg sein. Hoffentlich werden wir dabei unser eigenes Leben nicht wirklich verlieren. Vor allem aber hoffe ich, dass wir einander nicht aufgeben, zusammenbleiben, trotz Einschränkungen einander dienen mit dem, was wir könnnen und haben. Und - wo wir dann im Himmel sitzen, das muss uns nicht beschäftigen. Es gibt bei Gott keine schlechten Plätze.

Andacht zum 25. März - Ankündigung der Geburt von Jesus Christus

Als die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und unter das Gesetz getan. (Galater 4,4)

Am 25. März ist ein Tag, der kaum im Bewusstsein der Leute ist: der Tag der Ankündigung der Geburt des Herrn. 9 Monate vor dem Weihnachtsfest. Das ist wohl das Merkwürdigste, was man jetzt tun kann - über Weihnachten nachzudenken. Und doch mache ich es, weil mich vieles bewegt - unter anderem auch das Folgende:

Unsere Geschäfte zB. - hier bei uns in der Region und überall im Land - würden sich wünschen, nach dem Überstehen der CORONA-Krise am besten mehrere Weihnachtsgeschäfte hintereinander zu haben. Und zwar besonders die kleinen Geschäfte. Denn für sie ist diese Zeit eine Katastrophe, ebenso für alle Vereine, alle Selbständigen, die Dienstleistungen anbieten, die in normalen Zeiten alle sehr gefragt wären, in Krisenzeiten aber als erste gestrichen werden. Sie haben Angst davor, vermutlich auch deswegen, weil vielleicht nicht nur jetzt keiner mehr dort kauft, sondern wohlmöglich auch "danach" nicht mehr, weil man sich noch mehr an den online-Handel gewöhnt hat als jetzt schon. Oder weil viele Dienstleistungen, ohne die man gerade wieder leben lernt, anschließend vielleicht auch nicht wieder genutzt werden. "Gaststätten, Kleidung, Schuhe, Musik, Bücher und und und - gibts doch alles im Netz - kann ich mir doch alles liefern lassen." Was diese Zeiten mit unserem Lebensstil machen werden, ist heute noch gar nicht absehbar.

K1600 DSCN6517Unsere Wirtschaft ganz allgemein braucht unsere Anteilnahme, denn sie ist die Basis unseres recht wohlhabenden Zusammenlebens. Kürzlich las ich bei Twitter einen verärgerten Tweet über einen Politiker, der sich besorgt über die Situation der Wirtschaft äußerte. In diesem Tweet stand sinngemäß drin: "Na typisch - der denkt wieder bloß an die Wirtschaft." Natürlich könnte man trocken sagen: "Naja - es gibt so viele Dinge, die ich nicht brauche. Was interessierts mich, was aus den dazu gehörenden Betrieben wird?!" Aber hinter alledem stecken Menschen, die nun schlagartig nichts mehr zu tun haben - und das wohlmöglich dauerhaft. Einen Moment innehalten und nachdenken sollte man, bevor man sich gleichgültig über die Situation unserer Betriebe und Unternehmen äußert. Sie sind ein Spiegel dessen, wie wir leben und nach welchen Maßstäben wir unser Leben gestalten. Und - sie bestehen aus lauter Menschen wie Du und ich.

Man möge mir nicht böse sein, wenn ich angesichts des 25. März - 9 Monate vor Weihnachten - in einem geistlichen Wort zum Tag der Ankündigung der Geburt des Herrn mich so nachdenklich über die Lage der Wirtschaft äußere. Die Kommerzialisierung des Weihnachtsfestes ist sicher etwas sehr Abstoßendes, keine Frage. Aber das alljährliche Geschenkekaufen hat vermutlich auch sein Gutes: es schult nämlich auch für Zeiten wie diese - dass man sich nämlich in einer wirklichen Not tatsächlich auch mal wieder ganz real beisteht, an andere denkt, sie beschenkt, sie fröhlich macht, einander grüßt und virtuelle oder reale Karten schreibt und niemanden allein lässt.

Ich habe in den letzten Tagen von einer Idee gehört - wie manche andere vielleicht auch: sie kam abends in den Nachrichten. Und auch das passt zu einem 25. März, dem Tag der Ankündigung der Geburt des Herrn. Manche stellen wieder Schwibbögen auf und lassen sie abends leuchten. Das ist inzwischen bedeutend schwieriger als zur Weihnachtszeit: die Tage sind länger geworden, und nächste Woche verlagert sich der Einbruch der Dunkelheit noch deutlich weiter nach hinten. Aber es ist eine Geste, um das menschenleere Leben in den Nächten trotzdem wieder mit Wärme zu erfüllen - eine sichtbare stille Geste. Ich fand diese Idee gut und habe es ebenso gemacht: einer von meinen Bögen steht wieder im Fenster und leuchtet in der Dunkelheit für eine Stunde.

Als Christus in die Welt kam, wurde es hell: auf dem Feld nahe Bethlehem. Und für viele ist Christus das, was er selbst auch so formulierte: "Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben." (Johannes 8,12). Dafür nahm er die Dunkelheit auf sich, dem Gesetz gehorsam - den Willen Gottes erfüllend - und unsere Schuld tragend bis hin zum Tod am Kreuz. Ich hoffe, dass unser Land und unsere ganze Welt bald wieder lichte Zeiten erlebt, dass wir aber auch nachdenklich, klug und besonnen in dieser jetzigen Zeit sind - und die Erfahrungen, die wir gesammelt haben, nicht vergessen.

 

(Bild: Eine der beiden Kirchen der Ankündigung der Geburt Christi in Nazareth. Quelle: Pfr. Schurig, eigenes Bild)