Predigten

Gottesdienste

Sonntag, 5. April 2020: 6. Sonntag in der Passionszeit, Palmsonntag

Bibelwort für die neue Woche: Der Menschensohn muss erhöht werden, damit alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben (Johannes 3,14-15)

Liturgische Farbe: Violett

Geistliches Leben am Sonntag:

9.30 Uhr Kirche Dippoldiswalde, Gesang einer Tageszeitenliturgie - zum Mitbeten zuhause herzlich anempfohlen.

Ab 10.15 Uhr Gottesdienst aus der Kirche in Reichstädt, er wird bei unserem Lokalsender frm-tv ab 10.15 Uhr übertragen. Oder über das Internet: Gottesdienst Reichstädt. In Reichstädt wäre am heutigen Palmsonntag Konfirmation gewesen. Sie findet nun leider erst am 4.Oktober 2020 statt.

Von 10.15 Uhr bis 12.00 Uhr ist Pfr. Dr. Schurig erreichbar unter 03504-619450.

Rückmeldemöglichkeit und Gebetsanliegen auch per mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

 

 

Der Gottesdienst

 

Evangelisches Gesangbuch, Lied 164 Jesu, stärke deine Kinder

Liturgie: Herre Gott, erbarme dich - Christus, erbarme dich; Herre Gott, erbarme dich

Gebet

Lesung Evangelium: Johannes 12,12-19 oder Markus 14,3-9 (Predigttext)

Glaubensbekenntnis

Evangelisches Gesangbuch, Lied 13,1-3 TochterZion, freue dich

 

Predigt zu Markus 14,3-9

 

Gnade sei mit Euch und Frieden von Gott, unserem Vater,

und unserem Herren Jesus Christus. Amen.

(Lesung des Predigttextes, wenn noch nicht erfolgt)

Es ist eine kleine Szene – fast belanglos: Eine Frau salbt Jesus. Das macht man heute so gut wie nicht mehr – jedenfalls nicht in dieser Form. Damals aber war das durchaus nicht unüblich. Bemerkenswert ist, dass das im Haus „Simons des Aussätzigen“ geschieht: es war also ein Kranker, der Lepra hatte – und von Jesus gesund gemacht worden ist. Aber „leprakrank“ wurde er wohl sein Leben lang genannt. Das verliert man nicht – dieses Attribut: „das ist der Kranke“. Aber man vertraute auch darauf, dass er wirklich gesund geworden ist. Sonst bräuchte er kein Gastmahl zu veranstalten, weil sowieso keiner kommen würde – wegen Ansteckungsgefahr.

Und bei diesem Gastmahl salbt eine Frau die Füße von Jesus – und verwendet dabei offenbar ein Salböl, was richtig teuer ist. Das gab es in Geschäften, die heute alle geschlossen sind: es gibt keinen triftigen Grund, derzeit ein Luxusparfüm zu kaufen. Und das Parfüm war so teuer, dass die Jünger sich richtig ärgern: Das viele Geld hätte man für Arme besser verwenden können. Das ist ein Argument, was man zu jeder Zeit gut verstehen kann. Auch heute leistet man sich viele Luxusartikel, bei denen weniger betuchte Leute sagen: also das Geld hätte man auch sinnvoller verwenden können. Ich möchte gar keine Beispiele aufzählen – da sind die Geschmäcker viel zu verschieden. Aber Geldverschwendung gibt es immer wieder – gar keine Frage.

Nur: ob das Verschwendung ist oder nicht, ist natürlich eine Frage des Blickwinkels. Die Jünger haben sicherlich irgendwo recht: So teures Parfüm in einem Ritt zu verwenden – für so einen Zweck – ist sicherlich auch verschwenderisch. Aber diese Geste spiegelt wider, was die Frau empfindet. Sie verehrt Jesus: so sehr, dass sie bereit ist, was richtig Kostbares dafür zu geben. Und: sie ist weitblickend: denn sie trauert schon jetzt um Jesus. Sie weiß, dass auch Jesus sein Kostbarstes – sein Leben – geben wird. Zwar lebt Jesus noch – aber die Kreuzigung ist nicht mehr so sehr weit weg. Sie ahnt das – und sie salbt Jesus – eine Geste der Wertschätzung.

Gesten stehen zur Zeit nicht so hoch im Kurs – jedenfalls dann nicht, wenn sie etwas mit Berührungen zu tun haben. Und doch liegt in der Berührung eine ganz große Kraft – sie vermittelt etwas, was nicht sagbar ist – und was auch durch keinen Bildschirm und Livestream jemandem nahezubringen ist. Manch einer sehnt sich vielleicht wieder nach einer Geste und Berührung. Es war schön, einander die Hände zu reichen…

Jesus verteidigt also diese Frau bei dem, was sie tut. Und er tut das mit einer Bemerkung, die für manchen vermutlich sogar arrogant klingt: Arme gibt’s doch immer, und ihr könnt ihnen helfen, wann immer ihr möchtet – aber mich habt ihr nicht immer. Meine Zeit ist JETZT.

K1600 BraRed 189So nimmt Jesus die Frau und ihr Tun in Schutz: es war eine Geste der Trauer und der Verehrung, die aus tiefstem Herzen kam. Manchmal wünscht man sich das heute von den Menschen – genauso wie damals schon, dass alle Leute Jesus so im Herzen haben. Es war eine Geste, die ganz von Herzen kam.

Sie war teuer – und sie war gut.

Und DANN ist genau das geschehen, was Jesus auch sagt: Jesus sagte: Wo immer man das Evangelium predigt, wird man sich auch an sie und ihr Tun erinnern. Und auch das ist so: Bis heute erinnert man sich an diese Frau und an das, was sie getan hat. Damit hätte sie nie rechnen können – aber nun ist es so. Es sind manchmal ganz beispielhafte Taten, die zwar einfach sind, die aber nie vergessen werden.

Ähnlich ist es zB. beim Heiligen Martin: der hat eigentlich nur seinen Mantel geteilt – und man erinnert sich trotzdem immer an ihn. So viele gute Taten, die getan werden, bleiben verborgen.

Es gäbe so viele andere Beispiele, von denen man gerne auch mal reden müsste.

Was zum Beispiel in den Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen geleistet wird: Das ist immer gut – und verdient immer Beifall. Nicht nur in Zeiten von Corona – da auch – aber sonst auch. Die Ärzte und Pfleger begleiten Kranke und Pflegebedürftige aller Art – und sie tun das tagein und tagaus. Und das fordert sie kräftemäßig und auch seelisch: das Leid zu sehen, es zu behandeln, manchmal – aber nicht immer – helfen zu können. Und es darf kein Fehler passieren. Und jeder weiß, dass Menschen nicht perfekt sind…

Was in den Familien / Häusern geleistet wird, bleibt oft verborgen. Ganz selbstverständlich ging man jetzt davon aus, dass man Schulen schließen und „Homeschooling“ machen kann. Und es finden sich tatsächlich ganz viele Wege, um das zu schaffen – aber unter was für Anstrengungen das vielen nur möglich ist! So viele Eltern, die sich nun koordinieren müssen, wer wann wie lange auf wen aufpasst / hilft / bei den Aufgaben beisteht. So viele Betreuende, die dies in Einrichtungen zu leisten versuchen. Und auch in Nicht-Corona-Zeiten leisten die Lehrer, Erzieher, Mitarbeitende in Kinder- und Jugendeinrichtungen aller Art so viel!

Manch einer gewinnt in solchen Zeiten auch wieder mehr Vertrauen in die regierenden Politiker, die in Stadt und Land in rasender Geschwindigkeit viele Entscheidungen zu treffen haben, die gar nicht immer richtig sein können. Und trotzdem treffen sie sie, nach Wissen, was sich täglich ändern kann. Und sie haben eine Bevölkerung zu lenken, die sich in diesen Tagen grundsätzlich und zum größten Teil an all das hält, was beschlossen ist.

Man müsste erzählen darüber, was in der Landwirtschaft und in der gesamten Versorgungswirtschaft geschieht, in Energiefirmen – wie es nach wie vor alle Lebensmittel, Strom, Heizung und Wasser – Internet und alles andere gibt. Man müsste erzählen darüber, wie die vielen kleinen Betriebe und Geschäfte arbeiten, die Tag für Tag versuchen zurechtzukommen und im Dienst ihrer Kunden sind. Und von denen viele jetzt in großer Not sind, weil sie zumachen müssen – und abwarten müssen, bis alles vorbei ist – und hoffen müssen, dass es sie dann noch gibt.

Und wie es zahllosen Künstlern und Freiberuflern ebenso geht, deren Dienste unser aller Leben so bereichern, und deren Dienste in solchen Zeiten als Erstes gestrichen werden…

Was in Vereinen geschieht / Feuerwehren / ehrenamtlich arbeitenden Organisationen…. Alles „der Rede wert“!

Aber immerhin: von dieser Frau und ihrer stillen Geste in der Geschichte mit Jesus erzählt man noch heute. Und ich hoffe, dass wir das Gute, was in unseren Tagen geschieht – ebenfalls nicht vergessen. Dass wir staunen darüber, an wie vielen Punkten und Gelegenheiten so viel Gutes auch in uns steckt. In 2000 Jahren wird man sich davon nichts mehr erzählen, wie es heute war. Aber dass wir HEUTE es nicht vergessen, was alles an Gutem geschieht. Das Evangelium von Jesus Christus zu erzählen ist gut – und das Gute zu erzählen, was wir tagtäglich im Alltag erleben, ist auch wichtig zu erzählen.

Lasst es uns nicht vergessen – das Gute, was Gott uns tut – und das Gute, was wir einander tun. Amen.

 

Evangelisches Gesangbuch, Lied 93,1-3 Nun gehören unsre Herzen

Gedenken an Verstorbene aus unseren Orten

 

Beichtgebet Evangelisches Gesangbuch, Nr. 800

Fürbittengebet: Sammeln Sie Gebetsanliegen für sich selbst oder im Kreis Ihrer Familie. Denken Sie an Corona und alle Folgen. Bitte beten Sie aber auch für Menschen, die an anderen körperlichen und seelischen Krankheiten leiden - und die momentan sehr vergessen werden. Beten Sie für alle, die unser Land und die Welt lenken und regieren. Für die Kirche hier in Sachsen mit unserem Landesbischof Tobias Bilz, sowie für die Christenheit und alle Menschen auf der ganzen Welt.

Vaterunser

Evangelisches Gesangbuch, Lied 79,1-4 Wir danken dir, Herr Jesus Christ

Segen: Der Herr segne uns und behüte uns. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht über uns und gebe uns Frieden. Amen.

 

 

(Bild: Jesus Christus trägt sein Kreuz, dargestellt auf einem Passionsweg in Brasilien. Quelle: eigenes Archiv).